Owls against the Mainstream

[English below]

Der eine nennt sie Trinkhalle oder Wasserhäuschen, IMG_7001für andere ist es eine Bude oder ein Kiosk: Die kleinen Lädchen wecken Erinnerungen an die Kindheit.

Sogenannte Trinkhallen entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts um Arbeitern Mineralwasser und andere alkoholfreie Getränke anzubieten, da ungekochtes Leitungswasser gesundheitsschädlich und Getränke in Gaststätten zu teuer waren und die Männer vermehrt zu Bier und Schnapps griffen. Mit der Zeit wurde das erweiterte sich das Sortiment und es wurden Zeitschriften, Tabakwaren und auch Lebensmittel angeboten. Doch leider führte Mitte des 20. Jahrhunderts der vermehrte Bau von Supermärkten und Tankstellen, deren Shops die Funktion der Wasserhäuschen übernahmen, zum „Wasserhäuschensterben“!
Einige wurden später, überwiegend aus nostalgischen Gründen wieder eröffnet.

IMG_6998Die historische Trinkhalle an der Lessingstrasse in der Mainzer Neustadt wurde nach mehrjährigem Leerstand vor einigen Tagen wieder zum Leben erweckt.
Mit dem Namen “Eulchen-Trinkhalle” öffneten Leonidas Lazaridis und Philip Vogel vergangenen Samstagnachmittag das Häuschen und es hieß „Cervisiam bibat – Man trinke Bier!”

Nicht nur irgendein Bier – nein, ihr eigens gebrautes Eulchen-Bier #2.
Bereits vergangenes Jahr haben die beiden mit ihrer Aktion REBELLION GEGEN EINHEITSBIER! mit ihrem ersten Eulchen Bier enormes Interesse bekommen und sich entschlossen mit ihrem Brauprojekt in die zweite Runde zu gehen und es regelmäßig zu verkaufen.

Das diesjährige Eulchen ist, passend zur Oktoberfest-Saison, malziger, würziger und etwas hopfiger als Sud #1. “Wir haben uns an das Grundrezept von Eulchen #1 gehalten” erzählt mir Philip, “jedoch mit mehr Röstmalzen gebraut!”

Bereits beim Öffnen derIMG_6999 FlipTop-Flasche aka. Bügelflasche kommt einem ein ausgewogenes getreidiges und hopfiges Aroma entgegen welches sich im Antrunk wiederholt.
Sein Geschmack ist würzig, leicht süßes Malz und der Hopfen etwas kerniger. Die Hopfen-Kombination aus Spalter Select und Perle geben dem Geschmack ein feines blumiges, ein wenig orangiges Kräuteraroma das im Abgang ein bisschen bitterer wird, die mich an Tee erinnert, was auf den Perle-Hopfen zurückzuführen ist, deren ausgewogenen Aromen einen recht hohen Bittergehalt haben.
Das Eulchen #2 ist definitiv vollmundiger als das Eulchen #1, “sauber”, süffig und perfekt für einen goldenen Oktobertag.

Da freu ich mich doch zu hören, dass die Jungs für diesen Sud ganze 34hl gebraut haben, die nun fast 9500 0,33l-Flaschen füllen.
Das Eulchen-Team berichtet, dass sie die Trinkhalle bis Ende diesen Jahres gepachtet haben und zunächst Freitagabends und Samstagvormittags zum Verkauf öffnen wollen.
Ausserdem wollen Leonidas und Philip nun regelmäßiger brauen um den Durst der aufgeschlossenen Mainzer und die stetig wachsenden Nachfrage nach Craft-Bier auch in Zukunft zu stillen.

IMG_7003Gut sechs Stunden war die Trinkhalle am Samstag geöffnet und der Platz durchgehend mit ca sechs Dutzend trinkfreudigen Besuchern gut besucht! Wie viele Flaschen am Ende des Abends verkauft wurden konnten [oder wollten 🙂 ] mir die beiden nicht sagen aber ich bin sicher der ein oder andere Kasten wurde geleert 🙂

Ich wünsche den beiden auf jeden Fall viel Erfolg für ihre Zukunft,

Happy Brewing & Cheers!


Some call it Trinkhalle [“drink hall”] or Wasserhäuschen [“watering house”] for others it’s a Bude [booth] or Kiosk: These small shops evoke childhood memories for many of us!

So-called Trinkhallen emerged in the mid-19th century when unboiled tap water was harmful to drink and drinks at restaurants were too expensive and workers increasingly drank beer and schnapps. They provided the men with bottled water and sodas. With time the shops also began selling magazines, tobacco and snack foods. But unfortunately the increased construction of supermarkets and gas stations led to more and more closings of the Trinkhallen in the mid-20th century. Some were opened again later mainly for nostalgic reasons.

The historic Trinkhalle at Lessingstrasse in Mainz Neustadt was revived just a few days ago after several years of vacancy.
With the name  “Eulchen-Trinkhalle” Leonidas Lazaridis and Philip Vogel opened the little house last Saturday afternoon with the motto “Cervisiam Bibat – Drink beer”

Not just any beer – no, their specially brewed Eulchen Bier #2.
Already last year with their action REBELLION AGAINST UNITY BEER! they received enormous interest with their first Eulchen Bier and decided to take their brewing project to the second round and sell it regularly.

This years Eulchen is, just in time for Oktoberfest season, more malty, spicy and slightly hoppier than Batch #1. “We went with the base recipe of Eulchen #1” Philip tells me, “but brewed with more roasted malts!”

When opening the flip-top bottle I can smell a balanced grainy and hoppy aroma. which repeats in the first sip.
The taste is spicy, slightly sweet malts and the hops are somewhat pithy. The combination of Spalter Select and and Perle hops give the flavor a little flowery, orangey-herbal aroma that finish a rather bitter, which reminds me of tea, which is due to the Perle hops, whose balanced aromas have a high bittering content.
Eulchen #2 is definitely more full-bodied then Eulchen #1, clean, quaffable and perfect for a golden October day.

I’m glad to hear that the guys brewed 34hl with this batch, which now fills nearly 9500 0.33l-bottles.
The Eulchen-team told me that they have leased the place until the end of this year and plan to open Friday evenings and Saturday mornings to sell their beer.
In addition, Leonidas and Philip want to brew more regularly to quench the thirst of the open-minded Mainzers and the ever-growing demand for craft beer.

On Saturday the Trinkhalle was open just around six hours and throughout the evening well attended with about six dozen hard-drinking visitors! How many bottles they sold  at the end of the evening Leonidas and Philip couldn’t [or didn’t want to 😉 ] tell me but I’m sure one or more cases were emptied! 🙂

I wish both of them a lot of success in their future,

Happy Brewing & Cheers!

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